Warum ist die Herzschwäche häufig Folge einer Schlafapnoe?

13. Juli 2020
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Die Herzschwäche (medizinisch als Herzinsuffizienz bezeichnet), also die verminderte körperliche Belastbarkeit aufgrund einer Funktionsstörung des Herzens, ist eine der häufigsten und folgenschwersten Erkrankungen weltweit. In Europa leiden geschätzte 10 Millionen Menschen an einer Herzinsuffizienz. Es wird vermutet, dass weitere 10 Millionen einen asymptomatischen Verlauf zeigen. Sie haben also bislang noch keine Beschwerden und wissen demzufolge noch nichts von ihrer Erkrankung. Alleine in Deutschland müssen etwa 2 Millionen Menschen mit einer Herzschwäche therapiert werden. Jährlich gibt es ca. 200.000 Neuerkrankungen und mit etwa 370.000 Behandlungsfällen jährlich ist die Herzinsuffizienz eine der häufigsten Ursachen für die Aufnahme in einem Krankenhaus.

Wie gefährlich ist eine Herzschwäche?

Die Herzschwäche wird in der deutschen Bevölkerung erstaunlicherweise massiv unterschätzt. Dabei gehört die Herzinsuffizienz, wenn sie nicht gut behandelt wird, zu den schwersten Erkrankungen überhaupt. Die Hälfte der Patienten verstirbt innerhalb von 5 Jahren nach Diagnosestellung, ähnlich wie bei vielen Tumorerkrankungen. Sie gehört mit jährlich etwa 45.000 Todesfällen in Deutschland zu den häufigsten Todesursachen. Bei der Herzschwäche ist das Herz nicht mehr in der Lage die Körperorgane ausreichend mit Blut zu versorgen. Die Betroffenen leiden unter zunehmender Luftnot, Wasseransammlungen in den Beinen, Abgeschlagenheit und ständiger Müdigkeit, bis hin zu Depressionen und Einschränkungen ihrer geistigen Leistungsfähigkeit. Im weiteren Verlauf der Erkrankung kommt es meist immer wieder zu Krankenhausbehandlungen. Die Lebensqualität und auch die Lebenserwartung verschlechtert sich weiter.

Welche Ursachen hat eine Herzschwäche?

Die Herzinsuffizienz stellt eine Endstrecke verschiedenster möglicher Grunderkrankungen dar. Von den vielen möglichen Ursachen, die eine Herzschwäche bedingen können, sind in den westlichen Ländern zwei Erkrankungen maßgeblich, die für sich alleine genommen, oder aber in Kombination für mehr als drei Viertel aller Fälle von Herzschwäche verantwortlich sind. Dies ist zum einen die koronare Herzerkrankung. Sie beschreibt die zunehmende Durchblutungsstörung des Herzmuskels durch atherosklerotische Verengungen der herzversorgenden Gefäße. Als zweite Hauptursache wird der „Volkskiller Nummer 1“, der arterielle Hypertonus (Bluthochdruck) angeführt. In den überwiegenden Fällen besteht bei den Betroffenen ein Bluthochdruck, der dann die Arteriosklerose und damit die koronare Herzerkrankung massiv beschleunigt und andere Organe wie zum Beispiel die Niere schädigt. Im weiteren Verlauf der Krankheit kann sich dann über einen oder mehrere Herzinfarkte schließlich eine Herzschwäche entwickeln. Daneben gibt es auch noch viele andere Ursachen für eine Herzschwäche, wie zum Beispiel Herzklappenerkrankungen, Erkrankungen des Herzmuskels oder auch eine Entzündung des Herzmuskels, eine sogenannte Myokarditis.

Wie ist die Verbindung zwischen Herzschwäche und Schlafapnoe?

Fast die Hälfte der Patienten mit Herzinsuffizienz leidet unter einer Schlafapnoe. Die Schlafapnoe mit nächtlichen Atemaussetzern und Atemflussreduzierungen kann zu ernsten Gesundheitsschädigungen führen. Medizinische Studien haben bewiesen, dass Menschen mit Schlafapnoe meist an zu hohem Blutdruck leiden. Die arterielle Hypertonie ist wie beschrieben eine der Hauptursachen für die Herzinsuffizienz. Bei der Schlafapnoe sinkt durch häufige kurze Atemstillstände während des Schlafs der Sauerstoffgehalt im Blut stark ab, was zur Unterversorgung des Herzens und des Gehirns führen kann. Als Alarmreaktion des Körpers werden daraufhin vermehrt kreislaufanregende Stresshormone wie Adrenalin und Kortisol ausgeschüttet. Dadurch verengen sich die Blutgefäße, was einen starken nächtlichen Blutdruckanstieg zur Folge hat. Schlafapnoe kann somit Bluthochdruck verursachen, bereits bestehenden hohen Blutdruck verschlechtern oder zu Schwierigkeiten bei der Blutdruckbehandlung führen.

Hypertonus in der Nacht durch Atemblockaden im Schlaf

Bei Betroffenen, die unter einer obstruktiven Schlafapnoe leiden, kommt es nachts wiederholt zum Auftreten von Atempausen und damit zu einer gefährlichen Verringerung des Atemflusses. Das wiederum löst eine Alarmreaktion des Gehirns aus mit einer massiven Ausschüttung von Stresshormonen. Diese Hormonausschüttung triggert eine Aufweckreaktion (ein sogenanntes Arousal), ohne dass der Patient dabei bewusst wach wird. Das Arousal führt dazu, dass kurzzeitig die Muskelspannung im Bereich der Rachenmuskulatur ansteigt, so dass dann nach einem heftigen Schnarchgeräusch für einige Atemzüge wieder Atemluft durch den Rachenraum passieren kann. Das verhindert zwar ein Ersticken im Schlaf, allerdings bedeutet die hohe Anzahl und die Heftigkeit dieser Weckreaktionen für den Körper puren Stress. Dies lässt sich im Rahmen einer Langzeitblutdruckmessung in Form nächtlicher Blutdruckspitzen deutlich erkennen. Die krankhafte Blutdruckerhöhung ist dabei abhängig von der Länge und Anzahl der Atemstillstände. Bei nicht behandelter Schlafapnoe bleibt der Blutdruck zunächst nur in der Nacht, später auch am Tage, dauerhaft erhöht. Charakteristisch ist, dass diese Art der Blutdruckerhöhung sehr schlecht auf blutdrucksenkende Medikamente anspricht.

Schlafstörungen erhöhen die Gefahr einer Herzschwäche erheblich

Wissenschaftler der Norwegischen Technisch-naturwissenschaftlichen Universität (NTNU) in Trondheim haben herausgefunden, dass nicht erholsamer Schlaf mit einem erhöhten Risiko für Herzinsuffizienz verbunden ist. In einer der weltweit größten Beobachtungsstudien mit insgesamt 54.279 Teilnehmern, die 2013 im „European Heart Journal“ veröffentlicht wurde, untersuchten die Forscher den Zusammenhang zwischen schweren Schlafstörungen (Ein- und Durchschlafprobleme und fehlende nächtliche Erholung) und negativen Auswirkungen für die Herzfunktion.

Im Beobachtungszeitraum von 11,3 Jahren erkrankten 1.412 Studienteilnehmer an einer Herzschwäche. Die Teilnehmer, die jede Nacht Ein- und Durchschlafstörungen hatten und mindestens einmal pro Woche berichteten, dass ihr Nachtschlaf nicht erholsam gewesen sei, entwickelten im Beobachtungszeitraum mehr als viermal häufiger eine Herzschwäche, als Probanden, die keine Probleme mit dem Schlaf hatten. Aufgrund der genauen Befragungen konnten die norwegischen Forscher ausschließen, dass bekannte kardiovaskuläre Risikofaktoren für die Herzinsuffizienz wie Bluthochdruck, Rauchen, Alkohol, Übergewicht, Diabetes oder Bewe­gungs­mangel zu der vermehrten Entwicklung der Herzschwäche geführt hatten.

Kausale Therapie der Herzschwäche verbessert die Lebenserwartung

Die arterielle Hypertonie gilt als Hauptursache der Herzinsuffizienz. Gleichzeitig leiden knapp die Hälfte aller Herzschwächepatienten unter einem Schlafapnoe-Syndrom, welches ursächlich für den Hypertonus ist. Es ist daher von entscheidender Bedeutung die Schlafapnoe konsequent zu therapieren, um eine Verschlechterung des Krankheitsverlaufs zu vermeiden. Allerdings reduziert die standardmäßig eingesetzte Überdruckbeatmung (CPAP-Therapie) zur Behandlung der Schlafapnoe nicht das durch sie verursachte überhöhte kardiovaskuläre Risiko. Dies ist durch eine Vielzahl von klinischen Studien und auch durch eine Metaanalyse wissenschaftlich evaluiert. Eine bestmögliche Verlängerung der Lebensdauer bei der durch Schlafapnoe verursachten Herzinsuffizienz kann nur durch die ursachenbezogene Therapie der Schlafapnoe erreicht werden. Insofern ist bei dieser Zielsetzung die operative Heilbehandlung der Schlafapnoe mittels bimaxillären Advancement mit Counter Clockwise Rotation weitestgehend alternativlos. Nur durch diese Vorgehensweise wird es ermöglicht nicht nur die Lebensqualität entscheidend zu verbessern, sondern gleichzeitig auch die Lebenserwartung erheblich zu verlängern.

 

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