Die Vielfalt des Schnarchens: Ursachen, Typen und Behandlungsmöglichkeiten

21. April 2024
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Rhonchopathie, auch bekannt als Schnarchen, betrifft einen erheblichen Anteil der Bevölkerung. Schätzungen legen nahe, dass zwischen 40 und 60 Prozent der Erwachsenen regelmäßig schnarchen[1]. Die Prävalenz steigt mit zunehmendem Alter. Schnarchen beeinträchtigt nicht nur die Schlafqualität des Bettpartners, sondern kann auch ernsthafte gesundheitliche Risiken für den Betroffenen mit sich bringen. Hinter dem Schnarchen verbirgt sich oft eine obstruktive Schlafapnoe, eine gefährliche schlafbezogene Atmungsstörung, die die Gesundheit und Lebensqualität beträchtlich einschränken kann. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass nicht jedes Schnarchen gleich ist. Die von ihm verursachten Geräusche können von kaum hörbar bis zu einer extremen Lärmbelästigung reichen. Im Folgenden werden die verschiedenen Schnarchtypen beschrieben, ihre individuellen Merkmale herausgearbeitet und geeignete Therapiemöglichkeiten für jeden Typ vorgestellt. Ein fundiertes Verständnis für die Vielfalt des Schnarchens ist der erste Schritt auf dem Weg zu einer optimierten Schlafqualität und einer besseren Gesundheit für alle Beteiligten.

Nasenschnarchen: anatomische Ursachen und Behandlungsoptionen

Die Rhonchopathie differenziert vier Typen auf Basis unterschiedlicher Ursachen: Nasen-, Zungen-, Mund- und Rachenschnarcher. Der Nasenschnarcher zeichnet sich durch Geräusche aus, die auf eine anatomische Verengung der Nasenwege zurückzuführen sind. Oftmals ist eine schiefe oder verkrümmte Nasenscheidewand, auch bekannt als Septumdeviation, für das Nasenschnarchen verantwortlich. Darüber hinaus können auch vergrößerte Nasenmuscheln den Luftstrom behindern und somit Schnarchgeräusche verursachen. Um die genauen Ursachen für das Nasenschnarchen abzuklären, empfiehlt es sich, einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufzusuchen. Dieser wird zielgerichtete operative Therapien vorschlagen, sollte die Ursache in anatomischen Anomalien der Nasenwege liegen. Eine mögliche Behandlungsoption bei einer Septumdeviation wäre beispielsweise die operative Begradigung der Nasenscheidewand oder bei vergrößerten Nasenmuscheln die Verkleinerung derselben. Wenn die Nasenatmung nur durch eine geringfügige anatomische Verengung beeinträchtigt ist, können Betroffene versuchen, ihre Nasenlöcher mithilfe eines sogenannten Nasenspreizers oder eines Nasenpflasters zu weiten.

Es gibt jedoch auch vorübergehende Auslöser für das Nasenschnarchen, wie beispielsweise Allergien oder Erkältungen. In solchen Fällen ist eine konservative Behandlung angebracht, etwa die Anwendung von Nasensprays oder -tropfen zur Reduzierung von Schleimhautschwellungen. Auch eine Nasenspülung kann hilfreich sein, um die Nasenhöhle von Schleim zu befreien.

Ein trockener Mund am Morgen nach dem Aufwachen könnte darauf hindeuten, dass nachts überwiegend durch den Mund, anstatt durch die Nase, geatmet wurde. Derartige Mundtrockenheit ist meist ein sicheres Anzeichen für das Nasenschnarchen. Auch schlechter Atem oder Kopfschmerzen am Morgen können Indikatoren für das Nasenschnarchen sein. Akustisch ist das Nasenschnarchen oft durch gleichmäßige, rumpelnde oder grunzende Geräusche gekennzeichnet.

Zungenschnarchen: Einfluss des Unterkiefers und Therapiemöglichkeiten

Zungenschnarchen wird durch das Zurückrutschen der Zunge im Schlaf ausgelöst, was zu einer Einengung des Luftwegs führt. Das Erschlaffen des Zungengewebes während des Schlafs tritt bei allen Menschen auf und ist letztlich nur der Auslöser für diese Form des Schnarchens. Die eigentliche Ursache liegt vorwiegend in einer retrognathen Position des Unterkiefers (Unterkieferrücklage), die eine Rückverlagerung der Zunge zur Folge hat. Zungenschnarchen ist durch seine vergleichsweise hohe Tonlage und das Auftreten in Schüben akustisch erkennbar. Personen, die hauptsächlich in Rückenlage schnarchen, können sehr sicher sein, dass sie zu den Zungenschnarchern gehören. Diese Erkenntnis ermöglicht eine äußerst wirksame Behandlungsoption: Betroffene sollten dauerhaft das Schlafen in Rückenlage vermeiden. Die Änderung dieses Gewohnheitsmusters erfolgt durch das Tragen einer Rückenlageverhinderungsweste für vier bis sechs Monate. Die Weste verhindert effektiv, dass im Schlaf die Rückenlage eingenommen wird. Das Vermeiden der Rückenlage stellt sicher, dass die Zunge im Schlaf nicht direkt in die Atemwege rutscht und somit den Luftstrom behindert (siehe Blogbeitrag vom 16.10.2020). Das Schlafen in Seiten- oder Bauchlage führt regelmäßig zu einer signifikanten Verringerung des Zungenschnarchens[2]. Eine weitere Strategie gegen das Zungenschnarchen besteht in der Verwendung einer Anti-Schnarch-Schiene, auch bekannt als Zahnschiene. Die Schiene positioniert den Unterkiefer und damit die Zunge nach vorne (siehe Blogbeitrag vom 06.11.2018). Sie wird im Schlaf im Mund getragen und öffnet die oberen Atemwege, was das Zungenschnarchen erheblich vermindert.

Mundschnarchen: Pathophysiologie und Behandlungsansätze

Die Ursache für das Mundschnarchen liegt an einem durch Gewebe verengten Übergang von der Mundhöhle zum Rachen. Typische Verursacher des Mundschnarchens sind voluminöse Gaumenmandeln, ein zu großes Gaumensegel oder ein überdimensioniertes Gaumenzäpfchen. Diese Gewebe erschlaffen im Schlaf und werden durch die ein- bzw. ausgeatmete Luft in Vibrationen versetzt, wodurch die gefürchteten Schnarchgeräusche entstehen. Diese sind in der Regel gleichmäßig und durch ihren flatternden oder rumpelnden Ton zu erkennen, ähnlich dem Geräusch eines schlaffen Segels im Wind. Es gibt verschiedene Therapieansätze, um dem Mundschnarchen entgegenzuwirken: Bei einem übergroßen Gaumensegel oder Zäpfchen kann die sogenannte „Velumount-Therapie“ als vielversprechende Behandlung in Betracht gezogen werden. Velumount ist ein medizinischer Draht, der mit einem Silikonschlauch ummantelt ist. Dieser Anti-Schnarch-Ring wird in den Gaumen eingeführt und stabilisiert das Gaumensegel und das Zäpfchen, was die Schnarchgeräusche entsprechend reduziert (siehe Blogbeitrag vom 15.03.2022).

Bei stark vergrößerten Gaumenmandeln, die das Mundschnarchen verursachen, kann eine operative Entfernung, auch bekannt als Tonsillektomie, erwogen werden. Es ist jedoch wichtig zu berücksichtigen, dass dieser operative Eingriff in den meisten Fällen zu invasiv sein dürfte, zumindest wenn es nur um die Therapie des Mundschnarchens geht. Die vollständige Entfernung der Tonsillen schwächt das Immunsystem des Körpers, da die Mandeln eine entscheidende Rolle bei der Abwehr von Infektionen spielen[3]. Als Alternative steht die Teilentfernung der Gaumenmandeln, auch als Tonsillotomie bezeichnet, zur Verfügung (siehe Blogbeitrag vom 17.12.2021). Dieses chirurgische Verfahren ist weniger invasiv und dementsprechend auch mit geringeren Risiken verbunden. Bei mäßigem Mundschnarchen kann eine Tonsillotomie medizinisch indiziert sein. Eine gründliche Untersuchung durch einen Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde ist in jedem Fall empfehlenswert, um die genaue Ursache des Mundschnarchens zu identifizieren und die beste individuelle Behandlungsoption zu finden. Neben operativen Interventionen gibt es jedoch auch eine einfache und effiziente Methode, um die Intensität des Mundschnarchens zu verringern: Betroffene sollten auf Alkoholkonsum am Abend verzichten, da Alkohol die Gewebe im Mundraum zusätzlich entspannt und dadurch das Schnarchen verstärken kann[4].

Rachenschnarchen: Ein Hinweis auf obstruktive Schlafapnoe

 Die bedenklichste Form der Rhonchopathie ist zweifellos das Rachenschnarchen, da es vielfach eine schlafbezogene Atmungsstörung, nämlich die obstruktive Schlafapnoe, verbirgt. Diese tritt aufgrund einer Luftraumeinengung zwischen Zungengrund und Rachenhinterwand auf, was nicht nur sehr laute und unregelmäßige Schnarchgeräusche verursacht, sondern auch zu Atemflusslimitationen bis hin zu Atemaussetzern führen kann. Eine obstruktive Schlafapnoe wird festgestellt, wenn solche Atembeeinträchtigungen häufiger als fünf Mal pro Stunde gemessen werden[5]. Die Verengung der Atemwege im Rachen zeigt sich überdurchschnittlich oft bei Menschen, die unter Adipositas leiden[6]. Auch Personen mit einem zu schmalen Kiefer oder einer Kieferrücklage sind überwiegend Rachenschnarcher oder sogar von obstruktiver Schlafapnoe betroffen[7].

Wer bei seinem Bettpartner lautes und unregelmäßiges Schnarchen mit längeren Pausen dazwischen bemerkt, sollte alarmiert sein. In solchen Fällen gilt es kurzfristig zu klären, ob es sich wirklich nur um das Rachenschnarchen handelt oder möglicherweise um eine gesundheitsgefährdende obstruktive Schlafapnoe. Die erste Maßnahme besteht darin, über den HNO-Arzt mittels Polygraphieuntersuchung prüfen zu lassen, ob es im Schlaf zu behandlungsbedürftigen Atemaussetzern oder Atemflussreduzierungen kommt. Die Letalität der Schlafapnoe wird typischerweise unterschätzt, da sich ihre Symptome nur langsam entwickeln und größtenteils nicht bewusst wahrgenommen werden. Dies dürfte auch der Grund sein, warum die Erkrankung bei etwa 80 Prozent der Betroffenen unerkannt bleibt[8].

Erfahrungsgemäß gehen viele Personen, die unter Schlafapnoe leiden, aufgrund ihrer milden Symptome wie Schnarchen oder Tagesmüdigkeit nur selten zum (Fach-)Arzt. Nächtliche Atemstörungen bleiben daher sehr lange unentdeckt, was das Risiko von Folgeerkrankungen erhöht. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Patienten erst dann diagnostiziert werden, wenn bereits schwerwiegende Folgeerkrankungen wie Typ 2 Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen entstanden sind. Daher ist es entscheidend, die obstruktive Schlafapnoe möglichst frühzeitig zu diagnostizieren und zu behandeln, um derartige Folgeerkrankungen präventiv zu verhindern.

Komplexität des Schnarchens aufgrund multifaktorieller Ursachen

 Die Unterscheidung der verschiedenen Schnarchtypen ist zwar hilfreich, jedoch ist die Abgrenzung zwischen ihnen häufig nicht eindeutig möglich. Die Natur des Schnarchens ist sehr komplex und kann durch eine Vielzahl von Ursachen ausgelöst werden, die oft miteinander verflochten sind. Daher ist eine umfassende Ursachenabklärung entscheidend, um die richtige Therapie wählen zu können. Eine gezielte Behandlung des Schnarchens ist nur dann möglich, wenn die unterschiedlichen Ursachen vollständig verstanden wurden. Daher ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Hals-Nasen-Ohren-Ärzten, Schlafmedizinern und Zahnärzten unerlässlich, um die effektivsten Therapieoptionen bestimmen zu können. Eine frühzeitige Diagnose spielt eine entscheidende Rolle bei der Identifizierung möglicher schlafbezogener Atmungsstörungen. Allerdings hängt die rechtzeitige Diagnose auch vom Problembewusstsein der Betroffenen ab. Smartphone-Apps wie beispielsweise „SnoreLab“ können eine praktische Lösung bieten, da die meisten Schnarchenden ihr eigenes Schnarchen nicht bewusst wahrnehmen können. Derartige Apps können potenzielle Schnarchgeräusche identifizieren und aufzeichnen, sodass der Schnarchende am nächsten Morgen selbst hören kann, in welchem Umfang (Dauer, Lautstärke) er geschnarcht hat. Je früher eine Diagnose gestellt wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, potenzielle Folgeerkrankungen zu vermeiden und die Lebensqualität zu erhalten.

 

Anmerkungen:

[1] The MSD Manuals: https://www.msdmanuals.com/professional/neurologic-disorders/sleep-and-wakefulness-disorders/snoring

[2] European Archives of Oto-Rhino-Laryngology, Volume 275, Ausgabe 8, Aug. 2018, S. 2169-2176: L. B. L. Benoist, A. M. E. H. Beelen, B. Torensma, N. de Vries: „Subjective effects of the sleep position trainer on snoring outcomes in position-dependent non-apneic snorers“

[3] Pschyrembel: https://www.pschyrembel.de/Tonsille/K0DN6/doc/

[4] Otolaryngology – Head and Neck Surgery, Volume 163, Ausgabe 6, Dez. 2020, S. 1078-1086: Christian Burgos-SanchezNolan N. JonesMichael AvillionSteven J. GibsonJagatkumar A. PatelJohn NeighborsSoroush ZaghiMacario Camacho: „Impact of Alcohol Consumption on Snoring and Sleep Apnea: A Systematic Review and Meta-analysis“

[5] ResMed Healthcare: https://www.resmed-healthcare.de/patienten/ahi

[6] Journal of Thoracic Disease, Volume 7, Ausgabe 5, Mai 2015, S. 920-929: John F. GarveyMartino F. PengoPanagis DrakatosBrian D. Kent: „Epidemiological aspects of obstructive sleep apnea“

[7] Journal of Sleep Research, Volume 26, Ausgabe 2, Apr. 2017, S. 122-131: Bahn AghaAma Johal: „Facial phenotype in obstructive sleep apnea-hypopnea syndrome: a systematic review and meta-analysis“

[8] Sleep Medicine, Volume 10, Ausgabe 7, Aug. 2009, S. 753-758: Kevin J. FinkelAdam C. SearlemanHeidi TymkewChristopher Y. TanakaLeif SaagerElika Safer-ZadehMichael BottrosJacqueline A. SelvidgeEric JacobsohnDebra PulleyStephen DuntleyColleen BeckerMichael S. Avidan: „Prevalence of undiagnosed obstructive sleep apnea among adult surgical patients in an academic medical center“