Vergrößert die CPAP-Therapie das Risiko für eine Lungenentzündung?

28. Juni 2024
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Die entzündliche Erkrankung der Lunge (Pneumonie) ist seit der Corona-Pandemie verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Obwohl die CPAP-Therapie (continuous positive airway pressure) in der Schlafmedizin von sehr großer Relevanz ist, bleibt die Fragestellung, ob diese das Risiko für eine Lungenentzündung erhöht, weitgehend unbeachtet. Die CPAP-Therapie gilt seit Jahrzehnten als Goldstandard in der symptomatischen Behandlung der obstruktiven Schlafapnoe und ist für ihre Effektivität bei der Unterdrückung nächtlicher Atemstörungen und der Reduktion von Tagesmüdigkeit bekannt. Neben den unbestrittenen Vorteilen dieser Therapieform sind jedoch auch einige potenzielle Nebenwirkungen zu beachten (vgl. Blogbeitrag vom 24.02.2022). Im Folgenden wird die mögliche Erhöhung des Lungenentzündungsrisikos durch die CPAP-Therapie näher beleuchtet und in den Kontext der derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnisse gestellt. Zusätzlich erhalten Schlafapnoiker Empfehlungen, wie sie ihr Risiko für eine Pneumonie reduzieren können.

Erhöhtes Lungenentzündungsrisiko bei Schlafapnoe Patienten

Die Korrelation zwischen Schlafapnoe und einem vergrößerten Risiko für Lungenentzündungen wurde in einer 2014 veröffentlichten Kohortenstudie untersucht, die auf Daten der staatlichen Krankenversicherung in Taiwan basierte. Die vorliegende Studie hatte zum Ziel, das Risiko für das Auftreten einer Lungenentzündung bei Erwachsenen mit Schlafapnoe zu erforschen, unabhängig davon, ob sie eine CPAP-Therapie erhielten oder nicht. Die taiwanesischen Forscher analysierten die Gesundheitsdaten von insgesamt 34.100 Personen. Im Zeitraum zwischen 2000 und 2010 wurde bei 6.816 Patienten erstmals die Diagnose eines Schlafapnoesyndroms gestellt. Als Kontrollgruppe dienten 27.284 Personen ohne Schlafapnoe, die hinsichtlich Alter, Geschlecht und Begleiterkrankungen vergleichbar waren. Während des durchschnittlichen Nachbeobachtungszeitraums von 4,5 Jahren erlitten 2.757 Patienten (8,09%) eine Lungenentzündung, darunter 638 (9,36%) Patienten mit Schlafapnoe und 2.119 (7,77%) Personen aus der Kontrollgruppe. Die Resultate der Studie legen nahe, dass Schlafapnoe Patienten einem höheren Risiko ausgesetzt sind, eine Lungenentzündung zu entwickeln, möglicherweise in Abhängigkeit vom Schweregrad ihrer Erkrankung.

Warum Schlafapnoiker anfälliger für Lungenentzündungen sind

Ein möglicher Grund für das erhöhte Risiko von Infektionskrankheiten liegt in den pathophysiologischen Veränderungen, die mit der obstruktiven Schlafapnoe einhergehen. Schlafapnoiker sind wiederkehrenden Atempausen während des Schlafs ausgesetzt, die zu einer intermittierenden Hypoxie führen, also einem periodischen Sauerstoffmangel im Blut. Die Hypoxie kann das Immunsystem beeinträchtigen und die Abwehrmechanismen der Atemwege schwächen, wodurch die Empfindlichkeit für Infektionen, einschließlich Lungenentzündungen, steigt[1].

Des Weiteren begünstigt die obstruktive Schlafapnoe die Entstehung von Entzündungsprozessen im Körper. Wissenschaftler vermuten, dass die von der Schlafapnoe ausgelösten Schlafunterbrechungen wichtige Entzündungssignalwege aktivieren, was wiederum die vermehrte Produktion von entzündungsfördernden Signalstoffen (z. B. Interleukin-1β) in Gang setzt[2]. Chronische Entzündungen gehen mit weitreichenden Auswirkungen auf die Gesundheit der Atemwege einher. Die Schleimhäute der Atemwege, die normalerweise eine schützende Barriere gegen Krankheitserreger darstellen, können durch anhaltende Entzündungen in ihrer Funktion geschwächt werden. Entzündungen erhöhen die Durchlässigkeit der Schleimhäute, wodurch Krankheitserreger leichter eindringen können[3]. Darüber hinaus kann eine entzündliche Reaktion die Funktion der Flimmerhärchen in den Atemwegen schwächen. Diese Härchen sind in der Regel dafür verantwortlich, Schleim und Partikel aus den Atemwegen zu transportieren. Eine verminderte Funktion der Flimmerhärchen resultiert in einer eingeschränkten Reinigung der Atemwege und steigert die Wahrscheinlichkeit, dass sich Krankheitserreger ansiedeln und vermehren können.

Schließlich lassen typische Folgeerkrankungen der Schlafapnoe das Risiko einer Pneumonie ansteigen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck und Herzinsuffizienz verschlechtern die Durchblutung und schädigen gleichzeitig das Immunsystem, was die Abwehrbereitschaft gegen Infektionen herabsetzt. Diabetes Typ 2 kann durch hohe Blutzuckerspiegel ebenfalls die Immunfunktion einschränken und das Wachstum von Bakterien fördern[4]. Beide Faktoren tragen gemeinsam zu einer vergrößerten Anfälligkeit für Lungenentzündungen bei.

Die CPAP-Therapie steigert das Risiko einer Pneumonie zusätzlich

In der taiwanesischen Studie wurde festgestellt, dass Schlafapnoiker, die CPAP nutzten, ein noch höheres Risiko für Pneumonien aufwiesen als Patienten mit Schlafapnoe, die keine Überdruckbeatmung benötigten. In ihrer detaillierten Aufschlüsselung zeigten die Forscher, dass Schlafapnoiker ohne CPAP-Therapie lediglich ein um 15 Prozent gesteigertes Lungenentzündungsrisiko aufwiesen. Demgegenüber war das Risiko bei Patienten mit schwergradiger Schlafapnoe und indizierter CPAP-Behandlung um 32 Prozent erhöht.

Die Forscher vermuten, dass die nächtliche Überdruckbeatmung das Risiko für Pneumonien ansteigen lässt, da sie den Speichelfluss im Mund behindert. Normalerweise fungiert Speichel als eine Art Reinigungsmittel, welches Bakterien aus dem Mund entfernt. Die Beatmung mit CPAP trocknet jedoch den Speichel aus und kann dazu beitragen, dass Bakterien in die Lungen gelangen. Des Weiteren könnte ein CPAP-Gerät mit angeschlossenem Luftbefeuchter das Risiko weiter steigern, da die erhöhte Luftfeuchtigkeit ein günstiges Milieu für das Wachstum von Bakterien bietet.

CPAP-Luftbefeuchter als Infektionsquelle

Schlafapnoiker verwenden zu ihrem CPAP-Gerät oft einen Atemluftbefeuchter, um ein nächtliches Austrocknen ihrer oberen Atemwege zu verhindern. Eine 2001 publizierte Studie der Ruhr-Universität Bochum untersuchte, ob ein CPAP-Gerät mit Luftbefeuchter das Infektionsrisiko der oberen Atemwege weiter erhöht[5]. Die Studie analysierte 246 Patienten mit diagnostizierter obstruktiver Schlafapnoe, von denen 206 eine CPAP-Therapie erhielten, 36 davon mit einem beheizten Atemluftbefeuchter. Die Auswertung der Daten ergab, dass Patienten, die CPAP ohne Luftbefeuchter verwendeten, signifikant häufiger an Infektionen der oberen Atemwege litten als die Kontrollgruppe (42,9% vs. 25%). Noch alarmierender war, dass Patienten, die einen beheizten Atemluftbefeuchter nutzten, eine nochmals deutlich höhere Infektionsrate aufwiesen (22,2% vs. 2,5%). Dies ließ sich insbesondere auf eine unzureichende Reinigung des Equipments zurückführen. Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass ein Atemluftbefeuchter eine potenzielle Quelle für bakterielle Kontaminationen darstellt, was das Risiko einer Infektion entsprechend ansteigen lässt.

Regelmäßige Reinigung des CPAP-Equipments

Um das Risiko einer Infektion bei der Verwendung eines CPAP-Geräts zu minimieren, sind strenge Hygienemaßnahmen unerlässlich. Die regelmäßige und gründliche Reinigung der gesamten CPAP-Ausrüstung, einschließlich Maske, Schlauch und Luftbefeuchter, ist von entscheidender Bedeutung. Es wird empfohlen, die Maske täglich mit mildem Seifenwasser zu säubern und einmal wöchentlich gründlich zu desinfizieren. Des Weiteren sollte darauf geachtet werden, dass der Atemluftbefeuchter täglich mit frischem Wasser befüllt und regelmäßig entkalkt wird, um die Bildung von Biofilmen und bakteriellen Ablagerungen zu verhindern. Auch der Beatmungsschlauch ist wöchentlich mit einer milden Reinigungslösung auszuspülen und vollständig zu trocknen. Darüber hinaus ist ein Austausch der CPAP-Filter gemäß den Anweisungen des Herstellers erforderlich, um eine optimale Luftqualität zu gewährleisten. Durch die konsequente Einhaltung dieser Hygienemaßnahmen können Schlafapnoiker das Risiko von Infektionen der oberen Atemwege signifikant reduzieren und die Sicherheit ihrer CPAP-Therapie gewährleisten.

Automatisierte Desinfektion als Alternative zur manuellen Reinigung

Die tägliche manuelle Reinigung der CPAP-Ausrüstung ist nicht nur sehr zeitaufwendig, sondern auch unter Hygienegesichtspunkten nur schwer zufriedenstellend zu bewerkstelligen. Hier bieten automatisierte CPAP-Desinfektionsgeräte eine komfortable und effektive Alternative. Das führende Gerät in diesem Bereich stammt von der US-amerikanischen Firma „SoClean“, welche ihre Produkte auch im deutschsprachigen Raum vertreibt. Das Desinfektionssystem nutzt Ozon, um sämtliche Komponenten des CPAP-Geräts zu reinigen. Der Hersteller verspricht, dass sein Desinfektionssystem 99,9% der CPAP-Bakterien eliminiert.

Die Bedienung des SoClean-Systems ist intuitiv gestaltet, sodass eine einfache Handhabung gewährleistet ist. Die CPAP-Maske muss lediglich in die Desinfektionskammer gelegt werden. Nach dem Schließen des Deckels startet das Gerät vollautomatisch und übernimmt die Reinigung des gesamten Equipments, einschließlich des Luftbefeuchters. Die automatisierte Methode spart nicht nur Zeit, sondern gewährleistet auch eine zuverlässige Desinfektion, die manuell nur schwer zu erreichen ist. Durch den Einsatz fortschrittlicher Desinfektionsgeräte können Schlafapnoiker ihr Infektionsrisiko weiter reduzieren.

Prävention zur Reduzierung des Infektionsrisikos

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse legen nahe, dass die CPAP-Therapie das Risiko für Lungenentzündungen erhöhen kann. Pathophysiologische Veränderungen und die damit verbundenen Entzündungsprozesse sowie typische Begleiterkrankungen tragen zur Anfälligkeit für Infektionen bei. Die Verwendung eines Luftbefeuchters kann dieses Risiko weiter steigern, insbesondere bei unzureichender Reinigung. Automatisierte Desinfektionsgeräte bieten eine effektive Alternative zur manuellen Reinigung und können die Hygienestandards erheblich verbessern. Die Investition in moderne Desinfektionstechnologien ist daher eine sinnvolle Präventivmaßnahme, da sie das Lungenentzündungsrisiko signifikant reduzieren kann.

 

Anmerkungen:

[1] Immunological Medicine, Volume 44, Ausgabe 4, Dez. 2021, S. 223-236: Ali Asghar KianiHossein ElyasiShadiyeh GhoreyshiNegar NouriAli SafarzadehAmirhossein Nafari: „Study on hypoxia-inducible factor and its roles in immune system“

[2] Archives of Internal Medicine, Volume 166, Ausgabe 16, Sept. 2006, S. 1756-1762: Michael R. IrwinMinge WangCapella O. CampomayorAlicia Collado-HidalgoSteve Cole: „Sleep deprivation and activation of morning levels of cellular and genomic markers of inflammation.“

[3] IQWiG: https://www.gesundheitsinformation.de/das-angeborene-und-das-erworbene-immunsystem.html

[4] Current Diabetes Reviews, Volume 16, Ausgabe 5, 2020, S. 442-449: Afiat BerbudiNofri RahmadikaAdi Imam TjahjadiRovina Ruslami: „Type 2 Diabetes and its Impact on the Immune System“

[5] Respiration, Volume 68, Ausgabe 5, Okt. 2001, S. 483-487: B. M. SannerN. FluerenbrockA. Kleiber-ImbeckJ. B. MuellerW. Zidek: „Effect of continuous positive airway pressure therapy on infectious complications in patients with obstructive sleep apnea syndrome“