APAP – BPAP – CPAP – VPAP – wo liegen die Unterschiede?

30. August 2019
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Es klingt fast wie eine Babylonische Verwirrung: APAP, BPAP, CPAP, VPAP – was versteckt sich hinter diesen Abkürzungen und wo liegen die jeweiligen Unterschiede?

Die vier Abkürzungen stehen für unterschiedliche Varianten der Überdruckbeatmungstherapie PAP (Positive Airway Pressure). Alle Beatmungsformen haben eines gemeinsam: Dem Patienten wird während des Schlafens kontinuierlich Atemluft mit einem leichten Überdruck mittels einer Voll- oder Nasenmaske zugeführt. Der durch das Beatmungsgerät aufgebaute Überdruck verhindert das Kollabieren von Gewebe im Nasen- und Rachenraum während des Schlafs und sorgt dafür, dass die oberen Atemwege offengehalten werden. Hierbei spricht man auch von einer „pneumatischen Schienung“ der Atemwege. Diese nicht invasive Beatmung verhindert bei korrekter Anwendung sehr effektiv nächtliche Atemaussetzer (Apnoen) und Atemflussbehinderungen (Hypopnoen). Gleichzeitig wird auch das Schnarchen weitgehend unterdrückt oder zumindest stark reduziert. Die Überdruckbeatmung ermöglicht es dem Patienten während des Schlafs regelmäßig und mühelos zu atmen. Die PAP-Therapie stellt dabei stets eine Dauertherapie dar, da sie zwar die Folgen der Obstruktion (= Verengung) der oberen Atemwege signifikant reduziert, aber nicht deren Ursache beseitigt. Das Druckbeatmungsgerät und die Maske müssen daher jede Nacht benutzt und getragen werden. Ein eigenmächtiges Beenden der Beatmungstherapie (z.B. aus Bequemlichkeit) würde dazu führen, dass die behandelten Symptome der Schlafapnoe und die hierdurch verursachten Beeinträchtigungen der Lebensqualität innerhalb kürzester Zeit wieder auftreten.

APAP

APAP steht für Auto Continuous Positive Airway Pressure und bedeutet nichts anderes als automatischer positiver Atemwegsdruck. Es handelt sich dabei um eine Weiterentwicklung der klassischen CPAP-Therapie (Continuous Positive Airway Pressure). Der Algorithmus des Beatmungsgeräts ermittelt über einen Sensor für jeden Atemzug individuell den jeweils notwendigen therapeutischen Druck. Es wird also nicht stets der gleiche Druck erzeugt, sondern immer nur so viel Überdruck, wie vom Patienten gerade benötigt wird. Die APAP-Therapie verbessert im Vergleich zur CPAP-Therapie das Komfortniveau und reduziert gleichzeitig auch die druckbezogenen Nebenwirkungen (z.B tränende Augen). Der größte Vorteil der APAP-Therapie besteht darin, dass das Gerät die Druckeinstellungen automatisch an Änderungen der Schlafposition (Bauch-, Rücken- und Seitenlage) und sogar an die jeweilige Schlafphase anpasst. Die Wirksamkeit dieser Beatmungsform ist im Vergleich zur CPAP-Therapie deutlich höher. Damit verbunden sind allerdings auch entsprechend höhere Gerätekosten. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten eines APAP-Geräts nur dann, wenn eine ärztliche Verordnung bei entsprechender Nichtwirksamkeit der klassischen CPAP-Therapie vorliegt.

BPAP

BPAP bedeutet BiLevel Positive Airway Pressure. Es handelt sich um ein Beatmungsgerät, welches mit 2 unterschiedlichen Druckstufen ausgestattet ist: Einem höheren Luftdruck für die Einatmung (IPAP = Inspiratory Positive Airway Pressure) und einem merklich niedrigeren Luftdruck für die Ausatmung (EPAP = Exspiratory Positive Airway Pressure). Durch diese duale Einstellung fällt dem Patienten das Ausatmen merklich leichter, da er nur einen geringen Gegendruck zu überwinden hat. Der Atemkomfort wird wesentlich gesteigert und gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Druck- oder Atemnotgefühlen beim Ausatmen deutlich reduziert. Die BiLevel-Geräte kommen insbesondere bei schwergradiger obstruktiver Schlafapnoe zum Einsatz, wo hohe Luftdruckeinstellungen notwendig sind, um die schlafbezogenen Atmungsstörungen effizient zu unterdrücken. Auch bei Apnoikern, die unter Herzinsuffizienz (Herzschwäche) leiden und bei Patienten mit Lungenkrankheiten wie der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) werden sie meist von den behandelnden Ärzten verordnet. Die BPAP-Geräte erreichen bei den genannten Patientengruppen eine höhere Wirksamkeit der Symptombehandlung. Dies liegt daran, dass diese Geräte wesentlich bei der Nachahmung des natürlichen Atmungsmusters unterstützen und damit für eine leichtere und natürlichere Atmung sorgen. Gleichzeitig hilft der niedrigere Ausatemdruck (EPAP) ganz wesentlich beim Abatmen des vom Körper produzierten Kohlendioxids (CO₂).

CPAP

CPAP ist die Abkürzung für Continuous Positive Airway Pressure und bedeutet nichts anderes als kontinuierlicher positiver Atemwegsdruck. CPAP stellt die Standardform der nächtlichen Überdruckbeatmung dar. Das CPAP-Gerät wird im Schlaflabor auf den für den Patienten passenden Beatmungsdruck eingestellt, welcher stets über die gesamte Nacht gleichbleibt. Das CPAP-Gerät drückt also einen stetigen und gleichmäßigen Strom von Umgebungsluft in die oberen Atemwege des Patienten. Der größte Nachteil der CPAP-Therapie besteht darin, dass Patienten häufig Schwierigkeiten haben gegen den einströmenden Luftstrom auszuatmen. Gerade für Patienten mit schwergradiger Schlafapnoe, die entsprechend einen hohen Beatmungsdruck benötigen, kann es sich schwierig anfühlen gegen den Druck auszuatmen. Abhilfe kann hier eine sog. „Rampenfunktion“ schaffen, über die viele CPAP-Geräte verfügen. Diese Funktion gewährleistet, dass die Beatmung mit einer niedrigen Druckeinstellung startet und diese allmählich bis zum notwendigen maximalen Beatmungsdruck steigert. Hierdurch wird sichergestellt, dass der Überdruck beim Einschlafen nicht abrupt aufgebaut wird. Diese Komfortfunktion sorgt also dafür, dass das Einschlafen erleichtert wird und die CPAP-Beatmung besser toleriert werden kann. Die CPAP-Geräte stellen die kostengünstigste Form der Überdruckbeatmung dar. Dies ist sicherlich auch der Hauptgrund dafür, warum sie mit Abstand am häufigsten eingesetzt werden. Auch die Erstattungspolitik der Gesetzlichen Krankenkasse unterstützt die weite Verbreitung dieser Überdruckbeatmungsvariante.

VPAP

VPAP steht für Variable Positive Airway Pressure. Diese Variante ist eine Sonderform der BPAP-Beatmung, bei der sich der Einatemdruck den therapeutischen Bedürfnissen des Patienten innerhalb fest definierter Grenzen variabel anpasst. Die VPAP-Therapie wird insbesondere bei der Behandlung der zentralen Schlafapnoe eingesetzt. Bei der zentralen Schlafapnoe kommt es ohne eine „mechanische Verengung“ der oberen Atemwege zu nächtlichen Atemaussetzern. Diese werden verursacht, weil das Gehirn dem Körper keine Signale zum Einatmen sendet. Es handelt sich folglich um eine neurologische Erkrankung. Vereinfacht ausgedrückt könnte man sagen, dass das Gehirn „zu atmen vergisst“. Die mit Abstand häufigste Atmungsform der zentralen Schlafapnoe ist die sogenannte „Cheyne-Stokes-Atmung“ (CSA). Diese ist durch ein regelmäßig wiederkehrendes An- und Abschwellen der Atemtiefe und des Abstands der einzelnen Atemzüge voneinander gekennzeichnet. Die VPAP-Therapie minimiert die Cheyne-Stokes-Atmung, indem sie die Atemschwankungen aufgrund der CSA antizyklisch ausgleicht.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die korrekte Auswahl des geeigneten PAP-Geräts von verschiedensten Faktoren abhängt. Zu berücksichtigen sind der Schweregrad und die Art der Schlafapnoe, Begleiterkrankungen (wie zum Beispiel Herzschwäche oder COPD) aber auch Kostengesichtspunkte. Der behandelnde Arzt wird auf Basis verschiedener Drucktitrationstests im Schlaflabor die am besten geeignete Überdruckbeatmungsvariante verordnen. Die Praxis zeigt, dass die manuelle CPAP-Titration im Vergleich zur APAP- oder BPAP-Titration als klinisch gleichwertig anzusehen ist. In Bezug auf die Schlafqualität erweisen sich jedoch die APAP- und BPAP-Therapie als überlegen. Dies gilt umso mehr, wenn der Patient das Ausatmen gegen den Luftstrom des CPAP-Geräts als schwierig empfindet.

Wer hingegen mit keiner einzigen PAP-Variante zurechtkommt (zum Beispiel wegen Kontaktallergien, Klaustrophobie etc.), wird die ursachenbezogene Therapie mittels Kiefervorverlagerung inklusive Rotation gegen den Uhrzeigersinn (bimaxilläres Advancement mit Counterclockwise Rotation) als alternativlos betrachten. Durch die Vorverlagerung beider Kiefer mittels Eingriffes in die Knochenstruktur werden die oberen Atemwege dauerhaft und nachhaltig erweitert. Schlafbezogene Atmungsstörungen gehören dann der Vergangenheit an und die Überdruckbeatmungstherapie entfällt vollständig.

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