Die gastroösophageale Refluxkrankheit (gastroesophageal reflux disease, GERD) zählt zu den häufigen Erkrankungen des Verdauungstrakts und verursacht Beschwerden wie Sodbrennen oder saures Aufstoßen. Weniger bekannt ist, dass Menschen, die unter obstruktiver Schlafapnoe leiden, überdurchschnittlich oft auch von einer Refluxkrankheit betroffen sind, da zwischen beiden Erkrankungen eine klinisch relevante Assoziation besteht[1]. Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen sprechen dafür, dass sich beide Krankheiten durch gemeinsame Risikofaktoren sowie nächtliche Druck- und Weckreaktionen gegenseitig ungünstig beeinflussen können[2]. Bleibt eine Refluxkrankheit unbehandelt, kann sie die Schlafqualität erheblich beeinträchtigen und nächtliche Beschwerden zusätzlich verstärken[3]. Umso wichtiger ist es, den Zusammenhang zwischen obstruktiver Schlafapnoe und gastroösophagealer Refluxkrankheit zu kennen. Dieser Beitrag erläutert die zugrunde liegenden Mechanismen und zeigt, warum die frühzeitige Erkennung und Behandlung beider Erkrankungen für die Gesundheit und Lebensqualität der Betroffenen von großer Bedeutung sind.
Was ist eine gastroösophageale Refluxkrankheit?
Von einer GERD spricht man, wenn Magensaft regelmäßig in die Speiseröhre zurückfließt und dort Beschwerden oder Schädigungen der Schleimhaut verursacht. Gelegentliches Sodbrennen nach einer üppigen Mahlzeit ist weit verbreitet und in der Regel unbedenklich. Treten die Beschwerden jedoch wiederholt auf oder beeinträchtigen sie die Lebensqualität, kann eine behandlungsbedürftige Refluxkrankheit vorliegen. Zu den typischen Symptomen zählen Sodbrennen und saures Aufstoßen. Daneben können auch Schluckbeschwerden, chronischer Husten, Heiserkeit, Räusperzwang oder ein brennendes Gefühl hinter dem Brustbein auftreten. Manche Betroffene leiden zudem unter einem sogenannten „stillen Reflux“, bei dem typische Beschwerden wie Sodbrennen weitgehend fehlen und stattdessen Symptome im Hals- und Rachenbereich im Vordergrund stehen. Bleibt eine gastroösophageale Refluxkrankheit über längere Zeit unbehandelt, kann die wiederholte Einwirkung von Magensäure zu Entzündungen der Speiseröhre und weiteren Komplikationen führen. In einigen Fällen entwickeln sich Schleimhautveränderungen wie ein Barrett-Ösophagus, der als Risikofaktor für ein Adenokarzinom der Speiseröhre gilt[4]. Eine frühzeitige Diagnose und konsequente Behandlung sind daher von erheblicher Wichtigkeit, um langfristige Folgeschäden zu vermeiden.
Warum tritt GERD bei Schlafapnoe vermehrt auf?
Die Verbindung zwischen obstruktiver Schlafapnoe und gastroösophagealer Refluxkrankheit lässt sich vor allem durch die besonderen Druckverhältnisse während nächtlicher Atemaussetzer erklären. Kommt es zu einer Blockade der oberen Atemwege, versucht der Körper weiterhin einzuatmen, obwohl kein Atemfluss mehr möglich ist. Dadurch entstehen ausgeprägte Unterdruckverhältnisse im Brustkorb, die den Rückfluss von Magensaft aus dem Magen in die Speiseröhre begünstigen und so Refluxepisoden auslösen oder verstärken können[5]. Gleichzeitig kann diese wiederkehrende Belastung die Barrierefunktion des unteren Speiseröhrenschließmuskels behindern. Neben diesen mechanischen Effekten spielen auch weitere Faktoren eine wichtige Rolle. Sowohl die obstruktive Schlafapnoe als auch GERD sind vielfach mit Übergewicht oder Adipositas assoziiert, wodurch der Druck im Bauchraum ansteigt und der Rückfluss von Magensaft zusätzlich begünstigt wird. Auf diese Weise entsteht ein Zusammenspiel mehrerer Mechanismen, das erklärt, warum Refluxbeschwerden bei Menschen mit obstruktiver Schlafapnoe überdurchschnittlich häufig auftreten.
Wie beeinflussen sich Schlafapnoe und Reflux gegenseitig?
Zwischen obstruktiver Schlafapnoe und GERD kann eine bidirektionale Wechselwirkung bestehen, wodurch ein Teufelskreis in Gang gesetzt wird. Gelangt Magensaft während des Schlafs bis in die Speiseröhre oder sogar in den Rachenraum, kann dies wiederholte Weckreaktionen (Arousals) auslösen und den Schlaf zusätzlich fragmentieren. In Einzelfällen gelangen kleinste Mengen von Magensaft bis in die oberen Atemwege (Mikroaspirationen) und verursachen dort Schleimhautreizungen oder Entzündungsreaktionen. Diese Reizungen können Husten, Räusperzwang oder einen reflektorischen Verschluss der oberen Atemwege fördern und dadurch schlafbezogene Atemstörungen intensivieren. Gleichzeitig erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass wiederholte Atemaussetzer und die damit verbundenen Weckreaktionen ihrerseits Refluxepisoden begünstigen. Auf diese Weise ist es möglich, dass ein sich selbst verstärkender Kreislauf entsteht, bei dem beide Erkrankungen einander ungünstig beeinflussen[6]. Die Folge ist oft eine deutlich verminderte Schlafqualität mit einem weniger erholsamen Nachtschlaf. Viele Betroffene leiden deshalb unter ausgeprägter Tagesmüdigkeit, Erschöpfung, Konzentrationsstörungen und einer eingeschränkten Leistungsfähigkeit.
Kann die Therapie der Schlafapnoe auch den Reflux verbessern?
Wissenschaftliche Arbeiten zeigen, dass eine wirksame Behandlung der obstruktiven Schlafapnoe bei vielen Betroffenen auch die nächtlichen Refluxbeschwerden abschwächen kann. Insbesondere unter einer konsequent angewendeten CPAP-Therapie werden weniger nächtliche Refluxepisoden beobachtet[7]. Als mögliche Erklärung gilt, dass die kontinuierliche Überdruckbeatmung die oberen Atemwege offenhält und dadurch die bei Atemaussetzern entstehenden ungünstigen Druckverhältnisse im Brustkorb verringert. Auf diese Weise wird der Rückfluss von Magensaft in die Speiseröhre vermindert.
Auch die ursachenbezogene Therapie der Schlafapnoe durch eine Vorverlagerung von Ober- und Unterkiefer (maxillomandibuläres Advancement, MMA) kann sich günstig auf den Reflux auswirken, da die operative Atemwegserweiterung die nächtlichen Atemstörungen dauerhaft beseitigt oder zumindest wesentlich reduziert[8]. Dennoch führt die Behandlung der Schlafapnoe nicht in jedem Fall zu einer vollständigen Normalisierung der Refluxbeschwerden. Liegen zusätzlich krankhafte Veränderungen des unteren Speiseröhrenschließmuskels oder andere Ursachen der Refluxkrankheit vor, ist meist eine gezielte Therapie der GERD erforderlich. Diese umfasst je nach Ursache und Schweregrad unter anderem Lebensstilmaßnahmen, eine medikamentöse Behandlung mit Protonenpumpenhemmern oder in ausgewählten Fällen auch operative Verfahren.
Reflux bei Schlafapnoe rechtzeitig erkennen
Menschen mit obstruktiver Schlafapnoe sollten insbesondere dann an eine gastroösophageale Refluxkrankheit denken, wenn trotz einer wirksamen Behandlung ihrer Atemstörung weiterhin nächtliche Beschwerden bestehen oder der Schlaf nicht ausreichend erholsam ist. Auch wiederkehrendes Sodbrennen, saures Aufstoßen oder nächtliche Hustenanfälle können auf eine begleitende GERD hinweisen. Allerdings verläuft die Erkrankung nicht immer mit den klassischen Refluxsymptomen. Beim sogenannten „stillen Reflux“ fehlen Sodbrennen und saures Aufstoßen überwiegend vollständig. Stattdessen stehen Heiserkeit, chronischer Räusperzwang, ein Fremdkörpergefühl im Hals oder hartnäckiger Husten im Vordergrund. Da diese Beschwerden oftmals nicht unmittelbar einer Refluxkrankheit zugeordnet werden, bleibt die Diagnose nicht selten über längere Zeit unerkannt. Besteht bei Schlafapnoe-Patienten der Verdacht auf eine GERD oder zeigt sich trotz eingeleiteter Therapie keine ausreichende Symptomlinderung, empfiehlt sich eine gastroenterologische Abklärung. Je nach Beschwerdebild kommen hierfür unter anderem eine Magenspiegelung sowie eine 24-Stunden-pH-Metrie oder eine Impedanz-pH-Metrie infrage, um den Reflux objektiv nachzuweisen und eine individuell abgestimmte Behandlung einzuleiten[9].
Das Wichtigste zu Schlafapnoe und Reflux auf einen Blick
Obstruktive Schlafapnoe und GERD treten häufig gemeinsam auf und können sich in ihrem Verlauf gegenseitig ungünstig beeinflussen. Anhaltende Refluxbeschwerden bei Menschen mit Schlafapnoe sollten daher nicht als bloße Begleiterscheinung angesehen, sondern gezielt medizinisch abgeklärt werden. Dies gilt auch dann, wenn typische Beschwerden wie beispielsweise Sodbrennen fehlen. Umgekehrt kann auch bei einer bekannten Refluxkrankheit die Abklärung einer bislang unentdeckten schlafbezogenen Atmungsstörung sinnvoll sein. Eine wirksame Therapie der Schlafapnoe verbessert in vielen Fällen nicht nur die nächtliche Atmung, sondern kann zugleich Refluxbeschwerden lindern und die Schlafqualität steigern[10]. Entscheidend ist daher, beide Erkrankungen gemeinsam zu betrachten und konsequent zu behandeln, um langfristige Folgeerkrankungen zu vermeiden und das allgemeine Wohlbefinden nachhaltig zu verbessern.
Anmerkungen:
[1] Journal of Gastroenterology and Hepatology, Volume 38, Ausgabe 8, Aug. 2023, S. 1244-1251: Nabil El Hage Chehade, Yuhan Fu, Sara Ghoneim, Sagar Shah, Gengqing Song, Ronnie Fass: „Association between obstructive sleep apnea and gastroesophageal reflux disease: A systematic review and meta-analysis“
[2] Sleep Medicine, Volume 22, Juni 2016, S. 33-38: Nattapong Jaimchariyatam, Warangkana Tantipornsinchai, Tayard Desudchit, Sutep Gonlachanvit: „Association between respiratory events and nocturnal gastroesophageal reflux events in patients with coexisting obstructive sleep apnea and gastroesophageal reflux disease“
[3] The American Journal of the Medical Sciences, Volume 352, Ausgabe 2, Aug. 2016, S. 141-145: Jui-Sheng Hung, Wei-Yi Lei, Chih-Hsun Yi, Tso-Tsai Liu, Chien-Lin Chen: „Association Between Nocturnal Acid Reflux and Sleep Disturbance in Patients With Gastroesophageal Reflux Disease“
[4] S2k‑Leitlinie: „Gastroösophageale Refluxkrankheit und eosinophile Ösophagitis“ der DGVS Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten; In: AWMF online (Stand März 2023), Registernummer: 021-013
[5] Interní medicína pro praxi, Volume 20, Ausgabe 1, 2018, S. 7-9: Samuel Genzor, Jan Gregar, Milada Hobzová: [„Sleep apnoea syndrome and gastroesophageal reflux disease in clinical and pathophysiological context“]
[6] Medical Hypotheses, Volume 73, Ausgabe 5, Nov. 2009, S. 706-708: Görkem Eskiizmir, Eric Kezirian: „Is there a vicious cycle between obstructive sleep apnea and laryngopharyngeal reflux disease?“
[7] Sleep and Breathing, Volume 25, Ausgabe 3, Sept. 2021, S. 1203-1210: Cheng Li, Zeng-Hong Wu, Xiao-Ling Pan, Kun Yuan: „Effect of continuous positive airway pressure on gastroesophageal reflux in patients with obstructive sleep apnea: a meta-analysis“
[8] Sleep Medicine Reviews, Volume 14, Ausgabe 5, Okt. 2010, S. 287-297: Jon-Erik C. Holty, Christian Guilleminault: „Maxillomandibular advancement for the treatment of obstructive sleep apnea: a systematic review and meta-analysis“
[9] BMJ Journals Gut, Volume 73, Ausgabe 2, Jan. 2024, S. 361-371: C. Prakash Gyawali, Rena Yadlapati, Ronnie Fass, David Katzka, John Pandolfino, Edoardo Savarino, Daniel Sifrim, Stuart Spechler, Frank Zerbib, Mark R. Fox, Shobna Bhatia, Nicola de Bortoli, Yu Kyung Cho, Daniel Cisternas, Chien-Lin Chen, Charles Cock, Albis Hani, Jose Maria Remes Troche, Yinglian Xiao, Michael F. Vaezi, Sabine Roman: „Updates to the modern diagnosis of GERD: Lyon consensus 2.0“
[10] Journal of Clinical Sleep Medicine, Volume 12, Ausgabe 9, Sept. 2016, S. 1257-1261: Sadeka Tamanna, Douglas Campbell, Richard Warren, Mohammad I. Ullah: „Effect of CPAP Therapy on Symptoms of Nocturnal Gastroesophageal Reflux among Patients with Obstructive Sleep Apnea“